Senioren am Strand; Foto: © wavebreakmedia - Shutterstock.com

Ich bin gut, so wie ich bin!

22.05.2024 / Autor: Therapie Aktiv / Kategorie: Diabetes im Alltag
Versuchen Sie einmal, die Überschrift laut und selbstbewusst auszusprechen. Wie geht es Ihnen dabei? Kostet es Sie Überwindung oder scheuen Sie sogar davor zurück?

Foto: Ehepaar am Stran; altafulla - Shutterstock.comFalls es Ihnen schwerfällt, das zu tun, ist das kein Wunder! Unsere Gesellschaft strebt nach der „perfekten Gesundheit“: Das zurzeit herrschende Ideal sind aktive Frauen und Männer, die schlank, muskulös und sportlich sind, sich perfekt ernähren und generell einen sehr gesunden Lebensstil pflegen. Wie passt da eine chronische Erkrankung wie Diabetes mellitus Typ 2 ins Bild?! Viele Menschen schämen sich nach der Diagnose, schließlich sind sie ja „selbst schuld“.


Unabhängig davon, welche der zahlreichen Faktoren wirklich zur Entstehung Ihrer Erkrankung beigetragen haben, ist eines ganz klar: Sich zu schämen und Vorwürfe zu machen, ist ganz sicher nicht förderlich für Ihre seelische und körperliche Gesundheit.


Menschen mit Diabetes leiden häufig unter einem verringerten Selbstwertgefühl. Genau deshalb widmen wir diese Ausgabe des Newsletters diesem Thema: Schließlich übt unsere Psyche einen großen Einfluss auf den Blutzuckerspiegel aus. Wenn wir gestresst sind, produzieren wir mehr Stresshormone, die den Blutzuckerspiegel erhöhen. Auch wenn wir uns Sorgen machen, frustriert sind, uns schämen oder Angst haben, steigt der Blutzuckerspiegel an. Wenn wir uns hingegen entspannen und glücklich sind, sinkt der Blutzuckerspiegel.



Die Macht der Gedanken

Unsere Gedanken basieren auf Überzeugungen, die wir von Geburt an von unserem Umfeld lernen. Was wir denken, erzeugt Gefühle, die wiederum zu Handlungen führen.


Foto: Darstellung Gedankenmuster; ÖGKBeispiel:


1. Überzeugung: Nur schlanke Personen dürfen ins Fitnessstudio gehen und sind fit, erfolgreich und beliebt. 


2. Gedanke: In diesem Sportanzug sehe ich furchtbar dick aus. So kann ich nicht ins Fitnessstudio gehen – bestimmt lachen alle über mich. 


3. Gefühl: Scham und Frust 


4. Handlung: Ich traue mich nicht ins Fitnessstudio und mache keinen Sport, obwohl ich vielleicht Lust dazu hätte.



Wie denken und sprechen Sie über sich und Ihren Körper?


Denken oder sagen Sie negative Dinge über sich und Ihren Körper, verursacht das unangenehme Gefühle wie Scham oder Frust. Sätze wie „Ich bin zu dick.“, „Ich schaffe das sowieso nicht.“, „Erst wenn ich 10 kg abgenommen habe, kann ich ins Schwimmbad gehen.“ usw. tun uns nicht gut. Diese Übung hilft dabei, sich die Art und Weise, wie Sie über sich denken und sprechen, bewusst zu machen und mit den „negativen Selbstgesprächen“ aufzuhören.

Foto: Frau betrachtet sich im Spiegel; PC-PROD - Shutterstock.comÜbung:

Nehmen Sie wahr, wie Sie sich in diesen Momenten fühlen. Beobachten Sie sich in den folgenden Situationen und notieren Sie, was Sie zu sich sagen:

  • Unter der Dusche
  • Wenn Sie sich anziehen
  • Wenn Sie sich im Spiegel betrachten


Nehmen Sie wahr, wie Sie sich in diesen Momenten fühlen. 

Fühlen Sie sich ängstlich, traurig oder schämen Sie sich? Würden Sie in diesem Moment eine Tatsache anerkennen? Wie z. B.: „Diese Gedanken sind nicht hilfreich. Sie bewirken nur, dass ich mich schlecht fühle (und mein Blutzucker ansteigt).“


Wenn Sie sich in solchen Situationen des „negativen Selbstgespräches“ wiederfinden, gibt es eine Technik, Ihre Gedanken gezielt woanders hinzulenken und sich so selbst davor zu schützen.

Z. B. Sie gehen spazieren und sehen sich in einem Schaufenster. Möglicherweise formen sich Gedanken wie „Mein Bauch ist zu dick“.


Folgen Sie diesen Schritten:


1. Sagen Sie deutlich „STOPP“ zu sich.


2. Lenken Sie Ihr Bewusstsein nun bewusst auf etwas anderes und beschreiben Sie dies mit einer neutralen Stimme.

Z. B.:

  • 5 Dinge, die ich sehe: Blauer Himmel, Wolken, vier parkende Autos, ein Vogel vor mir am Gehsteig, eine Dame mit Gehstock
  • 4 Dinge, die ich höre: Vogelzwitschern, Verkehrslärm, eine Hupe, lachende Kinder
  • 3 Dinge, die ich fühle: meine Füße in den Schuhen, der Wind in meinem Haar, mein knurrender Magen
  • 2 Dinge, die ich rieche: Kaffee vom Restaurant nebenan, Abgase der Autos
  • 1 Ding, das ich schmecke: Nachgeschmack meiner Zahnpasta


Wenn Sie damit beginnen, sich schlecht zu machen oder Gedanken und Worte kommen, die Sie nicht möchten, können Sie so Ihre Aufmerksamkeit auf andere Eindrücke lenken.

Mit etwas Übung wird es Ihnen gelingen, mit negativen Selbstgesprächen aufzuhören und so aktiv zu Ihrem seelischen Wohlbefinden beizutragen.

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